Geschichte der Fotografie
Der Blick aus der Höhle
Die erste Camera Obscura war eine Höhle, deren winzige Öffnung die Außenwelt Kopf stehend auf die Höhlenrückwand projizierte. Das war 350 Jahre vor Christi Geburt. Der Grieche Aristoteles hatte den Diaabend erfunden.
Es dauerte weitere 1850 Jahre, ehe Da Vinci die Sache zeichnerisch aktenkundig machte. 1570 kam Daniele Barbaro auf die Idee, das Loch durch eine Glaslinse zu ersetzen. Damit verbesserte er zwar das Bild entscheidend, festhalten konnte er es freilich immer noch nicht.
Das erste reguläre Foto war ein Blick aus der "Höhle". Joseph Nicéphore Nièpce richtete seine Kamera acht Stunden lang aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. Als "Film" benutzte er eine mit Asphalt beschichtete Zinnplatte. Belichtete Teile erhärteten, unbelichtete Partien blieben weich und wurden von Nièpce mit Terpentin entfernt.
Einfälle und Zufälle
Als Urvater der Fotografie galt lange Zeit Louis Daguerre. Dabei war Daguerres Anliegen ursprünglich nur die Verkürzung der achtstündigen Belichtungszeit und seine Erfindung ist das Produkt eines Versehens. Daguerre, der mit versilberten Kupferplatten und Joddämpfen ex-pe-rimentierte, stellte eines abends eine belichtete Fotoplatte in einen Schrank, in dem er unter anderem ein zerbrochenes Thermometer aufbewahrte. Als seine Platte am nächsten Morgen ein fertiges Bild zeigte, hatten er und sein Quecksilber verdampfendes Thermometer die Silberfotografie erfunden.
You press the button, we do the rest
Das Universalgenie William Henry Fox Talbot schrieb mit "The pencil of nature" nicht nur das erste Fotobuch, sein (Papier-)Negativ machte Fotografien auch vergrößerbar. Als unpraktisch erwies sich das nötige Dunkelkammerzelt.
Vereinfacht wurde der Weg zum Bild 1871 durch die Trockenglasplatte von Richard Leach Maddox, die das Verarbeiten der Aufnahmen entscheidend erleichterte. Zum Breitensport geriet die Lichtbildnerei durch George Eastman, der erst den Rollfilm und dann billige (Kodak-)Boxen auf den Markt brachte. Mit dem Slogan "You press the button, we do the rest" warb Kodak ab 1888 und nahm den Amateurfotografen die mühsame Dunkelkammerarbeit ab.
Die goldene Zeit der Silberfotografie
Mit der schnell wachsenden Zahl von Hobbyfotografen erlebte die Branche Anfang des 20. Jahrhunderts einen Boom: Weltweit entstanden und zerfielen rund um die Zentren optischer Industrie Dynastien im selben Tempo, in dem sich Kameras und Auf-nahmematerialien entwickelten.
Deutschlands Fotohauptstädte waren Dresden und Berlin. Zwar wurden dort große Teile der Industrie im zweiten Weltkrieg zerstört, trotzdem gab es in der ersten Nachkriegszeit einen Innovationsschub. Aus Vorkriegsplänen, Restbeständen und Improvisation entstanden zahlreiche Kameras, die zwar nur selten zu wirtschaftlichen Erfolgen wurden, aber die gesamte technische Entwicklung beschleunigten.
32 Momentaufnahmen aus der goldenen Zeit der Silberfotografie zwischen 1888 und 1960 zeigt DAS FOTOQUARTETT.
